07.05.2010

100 Jahre: „Die Elektrische“ verbindet Oberursel und Bad Homburg mit Frankfurt



Heddernheim 1915

Vor 100 Jahren wurde die kleine Stadt Heddernheim eingemeindet. Der erste und letzte Bürgermeister Hector Wenzel (seine Amtszeit dauerte von 1877 bis 1910) lud zusammen mit Frankfurts Oberbürgermeister Franz Adickes zu den Feierlichkeiten nach Heddernheim. 

Aber was machte das Örtchen Heddernheim für Frankfurt so attraktiv und warum wollten die Heddernheimer Frankfurter Bürger werden? Sicherlich war der dörflich geprägte Ort damals ein wichtiger Industriestandort und bot mit dem Heddernheimer Kupferwerk und der Süddeutsche Kabelwerk AG vielen Frankfurtern Arbeitsplätze an. Frankfurt bot dafür eine moderne Bahn: Eine direkte Verbindung sollte geschaffen werden, nicht mit dem Zug über den Hauptbahnhof, sondern mit der   Tram. Endlich sollten Homburg, die schon über ein gutes Straßenbahnsystem verfügten und Oberursel, ein aufstrebendes Städtchen mit lukrativer Güterverkehrsanbindung über die Gebirgsbahn, einen zusätzlichen Anschluss an Frankfurt erhalten. Die Schnittstelle sollte Heddernheim werden. Vom 10. Mai 1910 an, pünktlich zur Eingemeindung fuhren damit die ersten durchgehenden elektrisch betriebenen Bahnen über den Betriebshof Heddernheim analog der heutigen Linien U1, U2 und U3. 

Die Zugverbindung vom Frankfurter Hauptbahnhof in den Taunus büßte viele Fahrgastzahlen zugunsten der beliebten Homburger Linie „25“ und der Oberurseler Linie „24“ ein.

Schauspielhaus – Homburg

Endstation für die „25“ in Frankfurt war das Schauspielhausfür die Homburger und ihre aufstrebende, von Kaiserpaar und vielen Kurgästen besuchte Stadt ein attraktives Ziel. 1912 wurde Homburg zu Bad Homburg. Vom Schauspielhaus, dem heutigen Willy-Brandt-Platz, fuhr die Bahn bis nach Heddernheim. Konzessionsträger für den Abschnitt Schauspielhaus – Heddernheim war die Stadt Frankfurt. Ab dem städtischen Betriebshof Heddernheim hielt die Frankfurter Lokalbahn AG (FLAG) die Konzession für den als Kleinbahn eingestuften Vorortverkehr. Dadurch mussten die Fahrgäste zwei Tickets kaufen: einmal bei der Städtischen Straßenbahn und einmal für die restliche Strecke bei der FLAG. Für die Bahnen bedeutete die Aufteilung zudem die Ausstattung mit doppelten Scheinwerfern und einer Druckluftbremse  für den außerstädtischen Betrieb. 1935 übernahm die FLAG zunächst die komplette Strecke in Bad Homburg, 20 Jahre später wurde die FLAG an die Stadt Frankfurt verkauft und ein weiteres Jahr später aufgelöst. Heute wird die Strecke auf ganzer Länge – und somit über die Stadtgrenze – von der VGF betrieben, der Verkehrsgesellschaft Frankfurt GmbH. 

Zunehmender Autoverkehr führte in den 60er Jahren zur Entscheidung für die erste Frankfurter U-Bahnstrecke. Diese sollte die oberirdischen Straßenbahnlinien im Innenstadt-Bereich ablösen und somit die Straßen entlasten. 1968 eröffnete die Stadt Frankfurt die erste U-Bahnstrecke vom damaligen Theaterplatz (heute Willy-Brandt-Platz) bis zur Nordweststadt. Die schon vorhanden Bahnstrecken nach Oberursel und die Strecke bis nach Bad Homburg-Gonzenheim wurden integriert und verlaufen heute ab der Station „Miquelallee/Adickesallee“ oberirdisch für die Linien U2 und U3“.

Die „A-Strecke“, als erste U-Bahnstrecke Frankfurts so genannt, wurde 1973 zunächst bis zum Theaterplatz und 1984 bis zum Südbahnhof verlängert.

Im Dezember 2010, 100 Jahre später, wird die Strecke abermals erweitert. Ab Fahrplanwechsel fahren die Linien U8 und U9 über die Stammstrecke Heddernheim hinaus zum Riedberg. Ein weiterer Stadtteil mit Neubauwohnungen, Bürokomplexen und dem neuen Uni-Campus wird so schnell und umweltfreundlich an die Innenstadt angeschlossen – in 19 Minuten zur Hauptwache, in 12 Minuten nach Ginnheim. Damit bietet die heutige Betreiberin VGF ihren Fahrgästen nicht nur die seit mehr 40 Jahren bewährte Verbindung in den Taunus, sondern außerdem eine schnelle und komfortable Erschließung des Neubaugebiets im Frankfurter Norden mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und Heddernheim? Heute ein Stadtteil Frankfurts  bleibt mit dem großen Stadtbahndepot, das dieses Jahr ebenfalls 100-jähriges Jubiläum feiert, weiterhin die Schnittstelle. Wenn heute neu über die Eingemeindung verhandelt würde, wäre Frankfurts Anliegen vielleicht die närrische Verbindung zur Fastnacht. Denn: „Klaa Paris“ ist jede Bahnverbindung wert.

 

Bei Rückfragen:

Dana Vietta

Tel.: 069 213 26251


Bornheim Mitte > Höhenstraße

4

Seckbacher Landstraße > Bornheim Mitte

4

Zur Zeit liegen keine aktuellen Meldungen vor. Wir wünschen Ihnen eine gute Fahrt!