28.04.2010

Von Tür zu Tür

Der neue Begleitservice soll mobilitätseingeschränkten Fahrgästen die Nutzung von Bussen und Bahnen erleichtern.

Ob die Mutter mit Gipsbein und Kinderwagen, der ältere Herr mit Stock oder die Dame mit Sehschwäche: Für sie sind Fahrten in Bussen und Bahnen, mit Umsteigen in U-Bahn-Stationen und allem Drum und Dran mitunter recht beschwerlich. Mit einem neuen Angebot, dem Fahrgast-Begleitservice, wird es jetzt in Frankfurt einen Service geben, der Fahrgästen die Wege leichter macht und sie in ihrer alltäglichen Mobilität unterstützt.

Das neue Angebot, das auf Initiative des Verkehrsdezernats jetzt startet, wird getragen von der VGF und den Partnern Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), Rhein-Main Jobcenter GmbH und der BIWAG GmbH & Co. KG (BIWAG), einem Beschäftigungsträger.

Von kommenden Montag, 3. Mai 2010 an, stehen 20 neue Service-mitarbeiterinnen und -mitarbeiter montags bis freitags, in der Zeit von 7 bis 21 Uhr zur Verfügung, um Fahrgäste, deren Mobilität und Orientierung – und sei es nur vorübergehend – eingeschränkt ist, bei ihren täglichen Fahrten – sei es zum Einkauf oder zum Arzt – zu begleiten und sie dabei zu unterstützen. Unter der VGF-Rufnummer

 

069 213 23188

 

kann der Service bis spätestens am Vortag bei der Verkehrsgesellschaft gebucht werden, der Kundendienst nimmt Anrufe von 8 bis 16 Uhr entgegen. Die neuen Mitarbeiter holen den Fahrgast zu Hause ab, helfen auch beim Fahrkartenkauf, begleiten bis zum Ziel und wieder zurück. Der Service ist kostenfrei, einzig ein gültiger Fahrschein ist notwendig.

Mobilität für (fast) alle

Verbundweit wurden im RMV in den vergangenen Jahren Millionen Euro investiert und damit die Barrierefreiheit und Behindertengerechtigkeit verbessert. Auch in Frankfurt haben die Stadt und die VGF das Netz in dieser Hinsicht kontinuierlich ausgebaut: Zugänge und Umsteigewege wurden verbessert, neue und niederflurige Fahrzeuge beschafft und so Menschen mit eingeschränkter Mobilität und älteren Bürgerinnen und Bürgern der Zugang und die Benutzung der städtischen Busse und Bahnen erleichtert.

Dennoch nutzen manche Menschen in Frankfurt den öffentlichen Nahverkehr (noch) nicht. Sie sind unsicher, ob sie sich in Bussen und Bahnen, an Haltestellen oder Stationen tatsächlich zu Recht finden oder ob sie – wenn sie beispielsweise auf einen Rollator angewiesen sind – ihren Weg alleine zurücklegen können. Der neue Fahrgast-Begleitservice wird Menschen, die sich in öffentlichen Verkehrsmitteln unsicher fühlen, auf deren Wunsch durch speziell geschulte Servicekräfte von der Wohnungstür bis zum Ziel begleiten. Im Rahmen dieses Pilotprojekts soll so allen Fahrgästen, deren Mobilität aus unterschiedlichen Gründen eingeschränkt ist, die Nutzung von Bussen und Bahnen möglich gemacht werden.

Starke Partner

Das Projekt des Verkehrsdezernats wird unterstützt vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), der Rhein-Main Jobcenter GmbH und der BIWAG GmbH & Co. KG (BIWAG), einem Beschäftigungsträger. Sie sichert in Zusammenarbeit mit dem Rhein-Main Jobcenter die weitgehende Finanzierung des Modells und die Personalrekrutierung, denn mit der Fahrgastbegleitung wird erwerbslosen Menschen den Wiedereinstieg ins Berufsleben ermöglicht. Zwischen der VGF und der BIWAG wurde zu diesem Zweck ein Arbeitnehmerüberlassungsvertrag abgeschlossen. Das heißt: Die 20 neuen Dienstleister sind offiziell bei der BIWAG angestellt, der VGF aber zu ihrer Arbeit als Fahrgastbegleiterinnen und Fahrgastbegleiter überlassen.

Das zu Grunde gelegte Konzept sieht vor, langzeitarbeitslose Menschen im Rahmen des öffentlichen Beschäftigungssektors zu Service-Kräften zu qualifizieren, um ÖPNV-Kunden – und solchen, die es noch werden wollen – die Dienstleistung anzubieten. Die neuen Service-Mitarbeiter gehen ein zunächst auf sechs Monate befristetes, sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis mit der BIWAG ein. Das Arbeitsverhältnis kann dann nochmals um zwei Jahre verlängert werden und während dieser Zeit haben die Kolleginnen und Kollegen die attraktive Chance, in der VGF einen dauerhaften Arbeitsplatz zu finden. 

Hohe Erwartungen

Schulung und Qualifizierung der neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – um den Service in der Zeit von 7 bis 21 Uhr an den Werktagen zu garantieren, werden 20 Mitarbeiter benötigt – nimmt die VGF seit Anfang April vor. Da es sich hierbei um eine Qualifizierung handelt, fallen während der Ausbildung keine Kosten für das Unternehmen an.

Das Projekt, das mit dem Start der Dienstleistung am 3. Mai offiziell beginnt, ist unbefristet, die Ausbildung weiterer Service-Kräfte kann kontinuierlich – und bei Bedarf – erfolgen. Die laufenden Kosten teilen sich die VGF und der RMV, die VGF übernimmt zudem die Ausstattung der Mitarbeiter mit Dienstkleidung und Mobiltelefonen.

Die Stadt Frankfurt, die VGF und ihre Partner erwarten von dem neuen Fahrgast-Begleitservice viel: Bisher im öffentlichen Verkehr oft unsichere Menschen trauen sich zu, ihre Wege mit Bahn und Bus zurückzulegen, wodurch sie wieder stärker am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Viele Kundinnen und Kunden nutzen vielleicht erst durch das neue Angebot die öffentlichen Verkehrsmittel und werden – im Idealfall – Stammkunden. So hat der Begleitservice Potential, die Zahl der Fahrgäste und damit langfristig auch die Einnahmen zu erhöhen. Mit dem Angebot der neuen sozialen und kostenlosen Dienstleistung für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste wird gleichzeitig das gesellschaftspolitische Ziel verfolgt, langzeitarbeitslosen Menschen eine zusätzliche Qualifizierung zu geben und ihre Wiedereingliederung in das Arbeitsleben über eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu ermöglichen.

 

Bei Rückfragen:

Bernd Conrads

Tel.: 069 213 23557

 

Flyer Fahrgast-Begleitung in Frankfurt (1.5 MB)

 


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