Laut Kalender ist der Winter noch fast einen Monat entfernt, erster Schneefall hat aber in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, 25. auf 26. November, einen ersten Vorgeschmack auf das gegeben, was „die kalte Jahreszeit“ bereithalten kann. Winterliche Temperaturen oder – zuvor – herbstliches Wetter können ein Verkehrsunternehmen wie die VGF im wahrsten Sinne des Wortes nicht erwärmen: Laub auf Straßen und Schienen, Oberleitungsschäden durch Schnee- oder Eisbruch, eingefrorene Weichen – “Väterchen Frost” hat einige Überraschungen in seinem meteorologischen Gepäck.
Oberleitungsschäden
Doch so schlimm sich diese Aufzählung auch anhören mag: Nur extreme Temperaturen beeinträchtigen den Betrieb von Bussen und Bahnen wirklich nachhaltig. Störungen der Oberleitungen entlang der acht Straßenbahn-Linien sowie der oberirdischen Abschnitte der U-Bahn sind selten. Schnee bleibt auf dem dünnen Fahrdraht nicht liegen und kann somit auch nicht den Betrieb behindern. Zwar können unter der Schneelast abbrechende Äste, etwa entlang der Linie 14 durch den Stadtwald nach Neu-Isenburg, die Oberleitung auf einem längeren oder kürzeren Abschnitt abreißen, doch einem solchen Ereignis kann die VGF nicht vorbeugen. Noch seltener ist Eisregen, der den Fahrdraht mit einem Eismantel überzieht und so den Kontakt zum Stromabnehmer des Fahrzeugs verhindert. Bei einem solchen Vorfall käme der Betrieb der Bahnen auf der betreffenden Linie zum Stillstand, doch muß dann von einem “Jahrhundertereignis” gesprochen werden, dem zum einen ebenfalls nicht präventiv begegnet werden kann und das zum anderen auch auf den Individualverkehr weitreichende Auswirkungen hätte. Ersatzverkehr mit Taxen oder Bussen ist dann ebenfalls fast unmöglich, auf alle Fälle aber behindert.
Weichenstörungen
Störungen der Weichenheizungen sind dagegen schon eher winterlicher Alltag, genauso ihre schnelle Behebung. Sämtliche Anlagen im 63 Kilometer langen Straßenbahnnetz werden über das Jahr regelmäßig kontrolliert, ihre Einsatzbereitschaft auf diese Art so hoch wie möglich gehalten. Nach Erfahrungen der VGF führen die ersten kräftigen Schneefälle im Winter aber doch zum Ausfall von ein oder zwei Weichen im Tramnetz. Über den Meldeweg Fahrer - Betriebsleitstelle - Rufbereitschaft werden diese Ausfälle in aller Regel so schnell behoben, daß es zu keinen nennenswerten Verspätungen kommt. Im Streckennetz der VGF vergeht maximal eine Stunde von der Meldung der Störung bis zu ihrer Beseitigung. Im U-Bahn-System – fast 59 Kilometer Streckenlänge, davon rund 23 im Tunnel und deshalb vom Winter nicht beeinträchtigt – werden die Weichen von der Betriebsleitstelle aus elektronisch überwacht, so daß eventuelle Störungen behoben werden können, bevor sie Auswirkungen auf den Fahrbetrieb der sieben Linien haben können.
Zuviel Schnee
Auch zuviel Schnee kann den Straßenbahn-Betrieb nachhaltig behindern, insbesondere auf den Abschnitten, die sich Tram und Auto teilen, etwa in Oberrad oder Ginnheim. Hier drücken die Autos beim Überfahren der Gleise den Schnee in die Rillen und Weichen. Die VGF versucht, ihre Strecken so lange wie möglich frei zu fahren, doch bei starkem und länger anhaltendem Schneefall wird die Hilfe der FES benötigt. Und das mitunter mehrfach auf ein und derselben Strecke, um sie nachhaltig für den Betrieb frei zu halten.
Nicht oder kaum davon betroffen sind Abschnitte, auf denen die Straßenbahnen auf eigenen Trassen verkehren, etwa auf der Hanauer oder der Mainzer Landstraße. Auch die U-Bahn fährt sich die eigenen Gleise frei, im Tunnel trotzt sie dem Winter allemal
Herbstlaub
Doch schon bevor der Winter kommt, kann das Wetter den Schienenverkehr beeinträchtigt haben: Herbstlaub macht – insbesondere in Verbindung mit Nässe – nicht nur Straßen, sondern auch Schienen rutschig, da sich auf ihnen ein Film bildet. Folgen sind nicht nur längere Bremswege, sondern auch Probleme beim Anfahren. Betroffen sind vorzugsweise die Rillengleise der Straßenbahn, zum Bespiel auf der Mainzer Landstraße oder der Altstadtstrecke. Aus den Hochgleisen mit Schotterbett wie entlang der Eschersheimer Landstraße wird das Laub von den fahrenden U-Bahnen heraus geweht, bevor es sich festsetzen kann. Die VGF reinigt die Rillengleise deshalb täglich, nach besonders starkem Laubfall setzt sie auch Sonderreinigungen an. Das Laub wird dabei mit einem Gleisreinigungs-LKW aufgenommen, die Schienen anschließend von einem nachfolgendem Spezialzug – ein Verband aus umgebauten „K“-Straßenbahn-Wagen – geschliffen.
Glatte Straßen
Unter Schnee und Glatteis auf den Straßen leidet der Busverkehr genauso wie Pkw. Besonders die Routen im Frankfurter Norden, etwa die von der VGF-Bustochter ICB betriebene Linie 30 auf der Vilbeler Landstraße nach Bad Vilbel, können dann betroffen sein. Verspätungen sind bei entsprechendem Wetter nicht zu vermeiden.
Verspätungen haben an solchen Tagen aber manchmal auch einen simplen Grund: Da viele Autofahrer auf Busse und besonders Bahnen umsteigen, dauern die Fahrgastwechsel länger. Insbesondere auf den langen U-Bahn-Strecken U2 und U3, nach Bad Homburg-Gonzenheim und Oberursel Hohemark, kann sich das auf bis zu zehn Minuten pro Zug hochschaukeln, was bei dem dichten Takt, den die VGF tagsüber anbietet, aber kaum zu bemerkenswerten Beeinträchtigungen führt.
Längere Züge möglich
Sollten an Tagen mit Eis und Schnee mehr Autofahrer als erwartet auf Busse und vor allem Bahnen umsteigen, kann die Betriebsleitstelle der VGF kurzfristig entscheiden, ob die in der Hauptverkehrszeit übliche längere Behängung der Züge – und damit ihre größere Kapazität – auch tagsüber beibehalten werden soll. Normalerweise verkürzt die VGF die U-Bahn-Züge auf den Linien U2, U4 und U7 nach der morgendlichen Verkehrsspitze, da tagsüber keine Vier-Wagen-Züge nötig sind.
Hauptwache
Eine winterliche Besonderheit, die den Betrieb allerdings nicht einschränkt: Die VGF hat auch in dieser Saison die B-Ebene der Station “Hauptwache” für obdachlose Menschen geöffnet, heuer erstmals in der Nacht vom 15. auf den 16. November. Zwischen 22 und 6 Uhr haben Menschen ohne festes Dach über dem Kopf Gelegenheit zur Übernachtung, ein Zu- beziehungsweise Abgang bleibt deshalb in der Betriebsruhe zwischen 1 Uhr 30 und ca. 3 Uhr 30 geöffnet. Nach Angaben des Ordnungsdiensts der VGF verliefen die Nächte bisher wie immer ruhig, durchschnittlich nutzen bis zu 40 Obdachlose die Übernachtungs-Möglichkeit der VGF.
Bei Rückfragen:
Bernd Conrads
Tel.: 069 213 23557
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