Argentinien vs. Niederlande: Nach dem Antransport ist für die VGF vor dem Abtransport

Trotz Behinderungen durch eine nachmittägliche Demonstration am Hauptbahnhof lief der Stadionverkehr der VGF auch beim vierten Frankfurter WM-Spiel reibungslos.

An der End-Haltestelle "Stadion Straßenbahn" geht zu wie in einem Taubenschlag: Eine Straßenbahn nach der anderen taucht aus Richtung Oberforsthaus auf oder verschwindet in dem von Bäumen gebildeten grünen Tunnel. Es ist 18 Uhr 30 am Mittwoch abend und der Antransport der VGF läuft auf Hochtouren. Seit 17 Uhr 30 fährt die Verstärkungslinie 20 im Drei- bis Vier-Minuten-Takt zwischen Hauptbahnhof und Stadion und wieder zurück. Als um 21 Uhr das vermeintliche Schlagerspiel angepfiffen wird, geht der Blick der Mitarbeiter in der bei Spielen im Stadion besetzten Leitstelle für einmal nicht auf ihre Bildschirme und Unterlagen, sondern für einen kurzen Moment über die Wendeanlage und auf die Dächer der neben- oder nacheinander aufgestellten "S"-Wagen. Dann konzentrieren sie sich darauf, die 14 Sonderzüge auf den Abstellgleisen für den späteren Abtransport bereit zu stellen. Denn auch für die VGF gilt eine alte Fußball-Weisheit - wenn auch in stark abgewandelter Form: Nach dem Antransport ist vor dem Abtransport. Den Stadionverkehr am frühen Mittwoch abend hat die VGF unter schwierigen Bedingungen erfolgreich bewältigt. Durch die Studenten-Demonstration gegen 16 Uhr war der Fahrplan der am Hauptbahnhof verkehrenden Linien 11, 12, 16, 17 und 21 durcheinander gewirbelt worden. Umleitungen über Sachsenhausen und Unterbrechungen der Linien waren notwendig. Da die S-Bahn durch Demonstranten im Tunnel erheblich behindert wurde, war der Andrang an der Straßenbahn-Haltestelle auf dem Vorplatz riesig. Die Betriebsleitstelle der VGF mußte nun nicht nur den Linienverkehr wieder in Ordnung bringen, sondern gleichzeitig die Sonderzüge der Linie 20 vom Depot Gutleut aus einsetzen. "Unsere Mitarbeiter haben bisher sehr gute Arbeit geleistet, um unser Betriebs- und Service-Konzept aufgehen zu lassen", zog VGF-Geschäftsführer Michael Budig eine noch vorsichtige erste Bilanz. "Abgerechnet wird zwar erst am Schluß", so Budig mit Blick auf den Viertelfinal am 1. Juli, "aber wir sind bis jetzt sehr zufrieden." Tatsächlich hat der Einsatz der VGF bei den vier Vorrundenspielen perfekt funktioniert, was ohne sorgfältige Planung genau so wenig möglich gewesen wäre, wie ohne unermüdlichen Einsatz aller Beteiligten - ob Fahrer oder Mitarbeiter der Leitstelle, ob Fahrgastbetreuer oder Mitarbeiter des Ordnungsdienstes. Unter dessen ist es nach 23 Uhr und die ersten Bahnen verlassen mit ihrer orange oder hellblau-weiß gekleideten Fracht den Taubenschlag "Stadion Straßenbahn", nur damit ihr Platz am Bahnsteig schnell vom nächsten Zug eigenommen wird. Da es schon auf dem Platz ausgesprochen friedlich zuging und sich die Teams beim torlosen Remis nicht wehgetan haben, war das auch von den Fans nicht zu erwarten: Erneut bestätigten die eingesetzten Fahrer der VGF die gute Stimmung und die Party-Laune der Fahrgäste: "Es macht richtig Spaß, bei diesem Anlaß wieder zu fahren", sagt beispielsweise Peter Ruhr, stellvertretender Pressesprecher der VGF und ehemaliger Straßenbahner, der sich zur WM wieder an den Befehlsgeber einer Bahn gesetzt hat. Dort wird er auch am 1. Juli sitzen, wenn das letzte WM-Spiel im Frankfurter Stadion stattfinden wird.  Bei Rückfragen:
Bernd Conrads
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