06.07.2015

Sommerzeit ist Klimaanlagenzeit

"FAQ" zur Klimatisierung der U- und Straßenbahnen der VGF.

Da Klimaanlagen in Autos nicht mehr zur teuren Luxusausstattung gehören, sondern auch in Kleinwagen „Must-haves“ sind, gilt das inzwischen auch in Bussen und Bahnen. Und das, obwohl es große Verkehrsbetriebe in Deutschland gibt, die grundsätzlich auch neue Fahrzeuge nur „oben ohne“ anschaffen, denn bei Niederflur-Bussen und -Bahnen sind die tonnenschweren Geräte auf den Dächern montiert. 

In Frankfurt gehören Klimaanlagen ebenso zum Standard des öffentlichen Verkehrs, wie sie von Fahrgästen als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Aber leider ist es nicht in jedem Fahrzeug kühlschrankkalt. Und auch nicht jede Straßenbahn trägt solche Geräte auf dem Dach. Der Sommer 2015 zeigt sich von seiner besten Seite, und die VGF hat ein paar häufig gestellte Fragen zum Thema „Klimaanlagen in U- und Straßenbahnen zusammengestellt und beantwortet, auch nachzulesen unter der Rubrik „Fuhrpark“

 

http://www.vgf-ffm.de/de/die-vgf/fuhrpark/

 

auf unserer Homepage. 

Haben alle Fahrzeuge in Frankfurt Klimaanlagen?

Leider nein. Alle Busse in Frankfurt verfügen inzwischen über Klimaanlagen, 2/3 der Straßenbahnen und bis 2017, wenn die letzten U-Bahnen der Reihe "U5" geliefert werden, 224 von dann 261 U-Bahnwagen. Alle seit Oktober 2003 neugekauften Straßenbahnen des Typs "S" (74 Stück in Betrieb) und des seit 2008 beschafften U-Bahnwagens "U5" (146 in Betrieb) verfügen über Klimaanlagen. 

Warum nicht?

Weil noch ältere Bahnen in Betrieb sind, die nicht mit Klimaanlagen nachgerüstet werden können oder kurz vor der Ausmusterung – und damit dem Ersatz durch klimatisierte Neu-Fahrzeuge – stehen, so daß eine Nachrüstung unwirtschaftlich ist.  

Kann nachgerüstet werden?

Bei den Straßenbahnen des Typs "R" (38 Stück) und den U-Bahnwagen des Typs "U4" (37 Stück), die bis auf Weiteres in Betrieb bleiben, ist das nicht möglich, da die Statik der Dächer nicht auf das Gewicht dieser Aggregate ausgelegt ist. Das können bis 1,5 Tonnen sein, bei Niederflurfahrzeugen gibt es keine andere vernünftige Option, als sie auf den Dächern zu installieren. Die U-Bahn-Typen "Ptb", "U2" und "U3" werden bis 2017 durch die "U5"-Wagen ersetzt, eine Nachrüstung ist nicht wirtschaftlich. 

In die 38 "R"- und 37 "U4"-Wagen wurden bzw. werden aber neue Fenster mit Oberlichtern eingesetzt, die sich öffnen lassen, damit mehr Frischluft ins Innere kommt. 

Warum hat der Ebbel-Ex keine Klimaanlage?

Das wäre nun wirklich übertrieben, 1954 gehörte die auch nicht zur Originalausstattung. 

Warum haben klimatisierte Fahrzeuge keine Fenster, die sich zusätzlich öffnen lassen?

Weil wir nicht die Umwelt kühlen wollen.  

Wie viel kostet eine Klimaanlage pro Fahrzeug bei der Beschaffung neuer Fahrzeuge?

Bei einem neuen Bus, der eine Anlage auf dem Dach montiert hat, zw. 8.000 und 10.000 €. 

Bei einem „S“-Wagen befinden sich insgesamt fünf Anlagen auf dem Dach: drei für die Fahrgasträume, zwei für die beiden Fahrerräume. Zusammen kosten diese Anlagen rd. 115.000 € pro Bahn. Bei einem „U5“-U-Bahnwagen sind vier Anlagen auf dem Dach: je zwei Fahrgastraumanlagen und zwei Fahrerraumanlagen. Die Gesamtkostenbelaufen sich pro Bahn auf 130.000 €. 

Wie viel verbraucht eine Klimaanlage?

Bei Bussen ca. 2 Liter Diesel auf 100 Kilometern (bei einem Gesamtverbrauch des Busses von rd. 45 Litern auf 100 Kilometern). 

Die Anlagen der „S“-Wagen (Straßenbahn) verbrauchen bei einer Leistung von 2,5 KW der Fahrerraum- und 19 KW der Fahrgastraum-Anlagen zusammen 62 KW. Die „U5“-U-Bahnen verbrauchen bei einer Leistung von 2,5 KW der Fahrerraum- und 12 KW der Fahrgastraum-Anlagen zusammen 29 KW. Dies sind Maximalwerte bei Volllast der Anlage.  

Können Fahrer die Klimaanlagen ein- oder ausschalten?

Nein, die Einstellung wird von der jeweiligen VGF-Werkstatt vorgegeben, das Fahrpersonal hat auf die Regelung der Klimageräte im Fahrgastraum keinen Einfluß.  

Können Fahrer die Temperatur je nach Wünschen der Fahrgäste regulieren?

Nein, auch dies ist von Werkstattseite vor eingestellt.  

Was ist der Grund für die Voreinstellung?

Bei Schienenfahrzeugen: Norm DIN EN 14750-1 „Bahnanwendungen – Luftbehandlung in Schienenfahrzeugen des innerstädtischen und regionalen Nahverkehrs“. Diese Schrift legt die Leistungsfähigkeit der Heiz- und Kühleinrichtungen, die Aufheiz- und Abkühlzeit, die Innen- und Außentemperatur, die Temperaturdifferenz sowie die Außenluftmenge pro Person genau fest. Hier kann der Fahrer nicht mal eben am „Rad drehen“. 

Auf wie viel Grad sind die Anlagen / die Fahrzeuge eingestellt?

In Bussen zum Beispiel der ICB ca. 22 Grad, aber das ist ein theoretischer Wert, der bei hochsommerlichen Temperaturen nicht erreicht wird – ständiger "Stop and Go", mehrere offene Türen bei geringen, dafür kundenfreundlichen Haltestellen-Abständen.   

Bei U- und Straßenbahnen wird die Raumtemperatur je Fahrgastraum-Klimagerät (pro Wagenteil ein Klimagerät) durch zwei Temperatur-Fühler erfasst. Aus den beiden Werten wird ein mittlerer Ist-Wert ermittelt. Die Raumtemperatur wird anhand der Differenz zwischen Ist- und Soll-Temperatur durch Kühlen oder Heizen geregelt. Dies erfolgt automatisch über die Raumtemperaturfühler im Wageninneren, in Abhängigkeit vom gewünschten Raumtemperatur-Sollwert und der Außentemperatur. Bei Außentemperaturen von mehr als 19°C wird der Raumtemperaturwert angehoben, um die gesundheitliche Belastung der Fahrgäste durch zu hohe Temperatur-Differenzen gering zu halten. Die Temperatur-Differenz zwischen Innenraum-Temperatur und Außentemperatur ist in der genannten Norm DIN EN 14750-1 „Bahnanwendungen – Luftbehandlung in Schienenfahrzeugen des innerstädtischen und regionalen Nahverkehrs“ mit ca. 3°C fest gelegt.  

Mit der Kühlung erfolgt gleichzeitig eine Entfeuchtung der Luft, denn  Schwüle wird von Fahrgästen häufiger als unangenehmer empfunden als die Hitze selbst. Des Weiteren wird zur Kühlung zu 100% mit Außenluft gearbeitet. Im vollbesetzten Fahrzeug ist eine große Außenluftmenge (15m³/h pro Person) erforderlich, um die nötige Kühlleistung im vorgegebenen Temperatur-Bereich in das Fahrzeug einzubringen. 

Gibt es Vorgaben, wie kühl Fahrzeuge sein müssen, z.B. per Gesetz?

Die Auslegung der Klimaanlagen für U- und Straßenbahnen regelt die genannte Norm DIN EN 14750-1 „Bahnanwendungen – Luftbehandlung in Schienenfahrzeugen des innerstädtischen und regionalen Nahverkehrs“.  

Sind Klimaanlagen gesetzliche Pflicht?

Nein, sie sind ein freiwilliger Standard, den die VGF beim Kauf neuer Fahrzeuge – bei den Straßenbahnen seit Oktober 2003 – selber gesetzt hat. Eine gesetzliche oder ähnliche Verpflichtung gibt es nicht. Im Gegenteil: Es gibt deutsche Großstädte (Dresden), deren Verkehrsbetriebe aus wirtschaftlichen Erwägungen (Neupreis, Unterhaltung, Verbrauch) grundsätzlich auf Klimaanlagen verzichten. 

Durch die dunklen Scheiben heizt sich der Innenraum unnötig auf.

Nicht unbedingt: Je nachdem, wie die Scheiben beschaffen sind, wird mehr oder weniger Infrarotstrahlung absorbiert bzw. reflektiert oder durchgelassen. Eine schwarze Scheibe allein bedeutet also nicht automatisch, daß sich der Fahrzeug-Innenraum aufheizt.  

Die Klimaanlage ist an, in Bus oder Bahn ist es aber trotzdem heiß?

Die Haltestellen-Abstände in Frankfurt sind relativ kurz, beim Fahrgastwechsel gehen in der Regel alle Türen auf – häufig werden Türen auch für später ankommende Fahrgäste länger offen gehalten –, viel Kühle wird so an jeder Haltestelle leider an die Umwelt abgegeben, ohne daß die Fahrzeuge bis zur nächsten Station wieder spürbar abgekühlt werden können. 

Sind die von der VGF verwendeten Klimaanlagen nicht stark genug?

Die Klimaanlagen werden hinsichtlich Ihrer Kühlleistung nicht für den "Worst-Case" konzipiert, weil in unseren Breiten konstante Temperaturen von 40°C und mehr über einen längeren Zeitraum ungewöhnlich sind. Bei überdurchschnittlichen Temperaturen und den schon genannten Umständen kann es dazu führen, dass sich der Innenraum trotz Klimaanlagen aufwärmt. 

Wie oft fallen die Anlagen aus?

Erfahrungswerte bei unseren Bussen der VGF-Schwester ICB zeigen, daß eine Ausfallquote von rd. 2 % am Tag normal ist. D.h. aber auch: die Anlagen sind zu 98 % betriebs- bzw. einsatzbereit. 

Im Jahr 2013 hatte die VGF auf „S“- und „U5“-Wagen 800 Anlagen im Einsatz. D.h.: 365 Tage = 292.000 Anlagenbetriebstage. Registriert hat die VGF 285 Störungen. Dies bedeutet 0,19 % Störtage. Außerdem: Im Gegensatz zum Bus, wo es nur eine Anlage auf dem Dach gibt, laufen bei U- und Straßenbahn die anderen Geräte weiter, somit wird bei einem Ausfall nicht automatisch die ganze Bahn warm.  

Warum fallen Klimaanlagen doch mal aus?

Bei hohen Außentemperaturen hat eine Klimaanlage Schwierigkeiten, die Wärme abzuführen, als Folge steigt die Temperatur des Kältemittels, Druck und Wirkungsgrad sinken. Trotz regelmäßiger Wartung gibt es auch vereinzelt technische Defekte: Filter können verstopfen, die Anlage undicht sein, auch unterliegt sie wie alle technischen Einrichtungen normalem Verschleiß.  

Werden Fahrzeuge – analog zum Winter – "sommerfest" gemacht?

Die Wartung der Anlagen führt die VGF nach einem Konzept aus, das mit dem Hersteller abgestimmt ist, die Wartung mit Blick auf den Sommer und seine erwartbar hohen Temperaturen ist also terminiert. In Bussen werden Klimaanlagen aber auch im Winter benötigt, um die Scheiben nicht beschlagen zu lassen.

Bei den Schienenfahrzeugen werden die Klimaanlagen ebenfalls turnusmäßig das ganze Jahr gewartet. Die jährliche Klimaprüfung ist ebenfalls in der genannten Norm vorgeschrieben. Hier werden allerdings die kompletten Anlagen, ihre Regelung, Kältemittelzustand, Funktion etc. geprüft.  

Der Reinigungs-Turnus der Einzelkomponenten (Verflüssiger und Verdampfer) sowie Tausch der Filtermatten ist mit vier bzw. sechs Wochen kürzer. So wird die Betriebszuverlässigkeit der Anlagen erhöht. 

Kann es sein, daß im Sommer die Heizung an ist?

Nein. Dieser Eindruck entsteht mitunter bei älteren U-Bahnen des Typs „U2“, ist aber falsch: Bei diesen Schienenfahrzeugen wird der Innenraum nämlich mit der beim Bremsen frei gesetzten Wärme beheizt. Dies erfolgt über Luftkanäle, die im Fahrzeug-Inneren enden und mit Klappen geschlossen werden, die wiederum durch einen Thermostat geregelt werden. Thermostat oder Klappen können defekt sein, weswegen in solchen Bahnen unter einigen Sitzen, wo die Lüftungskanäle enden, ein warmer Luftzug zu spüren ist, der wie eine eingeschaltete Heizung wirkt. Dies bitte dem Fahrer mitteilen, damit die Werkstatt den Wagen prüfen kann. Er kann nicht die Heizung abschalten und ist auch nicht der Depp, der mit Heizung im Hochsommer durch Frankfurt kutschiert.  

Gibt es "die richtige" Temperatur?

Wohl kaum, bei 100 befragten Fahrgästen bekämen wir 150 Antworten. 

Wer nun vor lauter Typenbezeichnungen die Bahn nicht mehr an der Station sieht, kann einen Blick auf erwähnte Homepage der VGF werfen. Der Fuhrpark ist unter

 

http://www.vgf-ffm.de/de/die-vgf/fuhrpark/

 

im Internet aufgelistet.

 

Pressekontakt:
Bernd Conrads
VGF-Unternehmenskommunikation
069 213 27495
E-Mail: presse(at)vgf-ffm.de