Stadtbahn ins Europaviertel: Präsentation der neuen Tunnelbohrmaschine

Die unterirdische Fabrik „S1127“ gräbt sich von der zweiten Jahreshälfte an durch den Frankfurter Untergrund - Namens-Wettbewerb ausgelobt.

Am heutigen Donnerstag, 18. Januar 2018, wurde bei der Firma Herrenknecht die Frankfurter Tunnelbohrmaschine vorgestellt, die die unterirdischen Röhren ins Europaviertel bohren wird. Der Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF), Michael Rüffer, die Geschäftsführer der Stadtbahn Europaviertel Projektbaugesellschaft (SBEV), Wendelin Friedel und Florian Habersack, sowie Vertreter der Arbeitsgemeinschaft U5 Europaviertel (ARGE) nahmen die Maschine in kompletter Größe in Augenschein.

„Es ist beeindruckend so eine Maschine komplett zu sehen und einmal um sie herum zu gehen. Kaum vorstellbar, dass dieser Koloss bald in Frankfurts Untergrund unterwegs sein wird“, sagte VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer im Rahmen der Abnahme im Herstellerwerk im badischen Schwanau. 

Bau mit Tunnelbohrmaschine

Die „S1127“, so die offizielle Bezeichnung der Herrenknecht-Maschine, hat eine Länge von mehr als 80 Metern und ein Gewicht von rund 580 Tonnen. Mit einer Formel-1-reifen Leistung von etwa 1.305 PS wird sie sich durch den Frankfurter Boden arbeiten.

Am Kopf der Maschine befindet sich zu diesem Zweck das Schneidrad. Es hat einen Durchmesser von 7,1 Metern und ist eine Sonderanfertigung, speziell an die Gegebenheiten des Frankfurter Bodens angepasst. Am Schneidrad arbeiten sich ca. 100 Schälmesser und 29 Schneidrollen durch die Erde. Pro Tunnelröhre legt die Maschine eine Strecke von 850 Metern zurück – etwas mehr als zwei Runden um einen Sportplatz. Florian Habersack, kaufmännischer Geschäftsführer der SBEV GmbH, ergänzte: „Wir freuen uns mit der Firma Herrenknecht den Weltmarktführer an unserer Seite zu haben, der Spezialist im maschinellen Tunnelbau ist.“ 

Das Projekt

Mit der Verlängerung der Linie U5 über den Hauptbahnhof hinaus nach Westen erhält das neue und expandierende Viertel einen leistungsfähigen Anschluss an das städtische Nahverkehrsnetz. Der tiefste Punkt des zukünftigen Tunnels – der Neubau zweigt unterirdisch am Platz der Republik von der Bestandsstrecke ab – liegt 22 Meter unter der Oberfläche. SBEV-Geschäftsführer Wendelin Friedel sagte zum geplanten Bauverfahren: „Im Lauf des Frankfurter U-Bahn-Baus wurde bisher zweimal ein teilmechanisierter Schildvortrieb eingesetzt, quasi Vorgänger dieser Maschine. Eine Premiere ist nun der Einsatz einer vollautomatischen Tunnelvortriebsmaschine, auf die wir alle sehr gespannt sind.“

Die Maschine wird an sieben Tagen die Woche 24 Stunden in Betrieb sein. Laut Plan nimmt die Tunnelbohrmaschine ihre Arbeit für die unterirdische Streckenführung von der Startbaugrube – Europa-Allee, Höhe Stockholmer Straße – in östliche Richtung bis zum Anschlussbauwerk am Platz der Republik in der zweiten Jahreshälfte 2018 auf.

Das Areal zwischen der Tiefgaragenzufahrt Skyline Plaza und der Emser Brücke dient während der Tunnelbauarbeiten als Lager und Transportfläche, bevor der dortige Tunnelteil und die Rampe in offener Bauweise errichtet werden, also in einer offenen Baugrube.

Der ambitionierte Bau liegt in den Händen der ARGE U5 Europaviertel, die aus zwei Firmen besteht: der PORR Deutschland GmbH und der Firma Stump Spezialtiefbau GmbH. Sie ist für den Bau des unterirdischen Streckenteils und den Rohbau der in diesem Abschnitt liegenden unterirdischen Station „Güterplatz“ verantwortlich.

Arbeiten haben begonnen

Doch der Einsatz des schweren Geräts ist nicht der Beginn der Bauarbeiten, diese laufen schon. Derzeit werden im östlichen Teil der Europa-Allee die Wände der Startbaugrube für die jetzt vorgestellte Tunnelbohrmaschine hergestellt, im Anschluss folgt der Aushub der ca. 18 Meter tiefen Grube selbst. Im Bereich der späteren Untergrund-Station werden ebenfalls die Wände der Baugrube errichtet. Aber erst nachdem beide Tunnelröhren im Rohbau fertig gestellt worden sind – in der Sprache der Bergleute spricht man von „auffahren“ – kann die Baugrube der Station ausgehoben werden. Das Auffahren der beiden Tunnelröhren wird nach jetzigem Stand etwa zwölf Monate dauern. Hinzu kommt die Dauer für die Montage der Tunnelbohrmaschine sowie das Zurückziehen derselben aus der ersten und Umsetzen in die zweite Röhre, da die beiden Tunnel nacheinander gebohrt werden.  

Bauzeit und Kosten

Im Jahr 2020 sollen die Bauarbeiten für den oberirdischen Streckenabschnitt und der Ausbau des im Rohbau schon fertiggestellten Tunnels unter dem Europagarten beginnen. Der Abschluss der Bauarbeiten an der rund 2,7 Kilometer langen Strecke mit insgesamt vier neuen Stationen – davon drei oberirdisch – ist für Ende 2022 vorgesehen.

Die Gesamtausgaben für die Erweiterung der Linie U5 ins Europaviertel belaufen sich nach derzeitigem Planungs- und Preisstand auf 281,4 Millionen € (netto). Das Land Hessen und der Bund unterstützen das Projekt mit 157 Millionen €, den entsprechenden Förderbescheid hatte Staatsminister Tarek Al-Wazir am 7. Dezember 2016 übergeben. 

Wettbewerb: ein Name für die Tunnelbohrmaschine

„S1127“ klingt zwar wie eine Mondrakete und die Zahl ist auch nicht aus der Luft gegriffen. Tatsächlich ist die jetzt vorgestellte die 1127. Großmaschine, die Herrenknecht hergestellt hat. Da „S1127“ aber doch arg technisch anmutet, soll die Frankfurter Maschine – wie bei Tunnelbau-Projekten üblich – einen „richtigen“ Namen bekommen. Traditionell ist das ein weiblicher Vorname, der auf unterschiedliche Weise gefunden wird: Manche Maschinen werden einfach von den Mineuren getauft, andere mit Beteiligung der Öffentlichkeit. So kam zum Beispiel „Suse“, die den rund 9,5 Kilometer langen Fildertunnel zwischen Stuttgart HBF und der Filderhöhe bohrt, zu ihrem Namen: „Suse“ steht für „Stuttgart-Ulm schnell erreicht“. Die drei Maschinen, die in Köln die Nord-Süd-Bahn bohrten, wurden Rosa, Tosca und Carmen getauft – eine unverkennbare Hommage an die in der Dom-Stadt eminent wichtige 5. Jahreszeit.

Auch die Frankfurter Maschine soll im Rahmen eines öffentlichen Wettbewerbs einen klangvollen Namen bekommen. Vorschläge können ab sofort per Email unter

TVM(at)sbev-frankfurt.de
 oder per Post an
SBEV GmbH, Mainzer Landstr. 191, 60327 Frankfurt

schriftlich eingereicht werden. Einsendeschluss ist Freitag, 1. Juni 2018.

Aus den Einsendungen wird eine Jury aus 

  • Verkehrsdezernat
  • Geschäftsführung VGF
  • Geschäftsführung SBEV
  • VGF-Unternehmenskommunikation

den Namen auswählen. 

Der Gewinner kann sich über einen exklusiven Besuch auf der Frankfurter Tunnelbohrmaschine freuen, die nach derzeitigem Planungsstand ihre Arbeit in der zweiten Jahreshälfte 2018 aufnehmen wird. 

 

Pressekontakt:

Bernd Conrads
VGF-Unternehmenskommunikation
Tel.: 069 213 27495
E-Mail: presse(at)vgf-ffm.de

 

SBEV Stadtbahn Europaviertel Projektbaugesellschaft mbH
Tel.: 069 213 29850
E-Mail: info(at)sbev-frankfurt.de