Was tun in Notfällen?

Sicherheitseinrichtungen in Stationen und Fahrzeugen der VGF.

Ein Mann fällt volltrunken ins Gleis einer S-Bahnstation. Sein Kumpel und ein unbeteiligter Jugendlicher springen hinterher, um ihm zu helfen, dabei werden alle drei von einer einfahrenden S-Bahn erfaßt. Die beiden Männer sind schwer- bzw. leichtverletzt, der Jugendliche bezahlt seine Zivilcourage mit dem Leben. Diesen Verlauf hat die Bundespolizei für das Unglück in der S-Bahnstation „Ostendstraße“ am Dienstag, 13. November, bis jetzt ermittelt. Besonders der Tod des 17-Jährigen macht traurig – er wollte helfen. 

Nothalt am Bahnsteig

Um zu helfen ins Gleis zu springen, ohne sich um den Betrieb von S- oder U-Bahnen zu kümmern, ist zwar bemerkenswert mutig, aber eben auch hochriskant. Sollten Fahrgäste in einer der 27 unterirdischen U-Bahnstationen der VGF Zeuge eines Falls wie am Dienstag werden, sollten sie unbedingt zuerst einen der auf den Bahnsteigen installierten Nothalte-Schalter bedienen. Die roten Kästen sehen aus wie Notbremsen in den Bahnen, drei sind pro Bahnsteigseite vorhanden. Werden sie betätigt, stellen sie die Signale für aus- oder einfahrende Züge auf Rot. Die Bahnen können in Notfällen also nicht in die Stationen einfahren oder sie verlassen. 

Notruf- und Informationssäulen

Danach sollten Zeugen die Notruf- und Informationssäulen (NI-Säulen) benutzen. Auch von ihnen gibt es pro Bahnsteig mehrere, insgesamt hat die VGF seit 2005 – in diesem Jahr erfolgte der Startschuß zum Projekt „Sicherheit & Service“ – rund 160 Stück in allen unterirdischen und ausgewählten oberirdischen Stationen aufgestellt. Mit einem Knopfdruck wird die Verbindung zur Leitstelle der VGF hergestellt. Die Mitarbeiter der hier integrierten Sicherheits- & Service-Zentrale (SuS-Zentrale) können nicht nur schnell Rettungskräfte, Ordnungsdienst, Fahrer und Fahrgäste auf der betroffenen Linie informieren, jede Säule steht im Blickfeld einer der mehr als 605 Videokameras, mit denen der Ordnungsdienst der VGF die Stationen im Blick hat.  

Das heißt: Wer auch immer einen der beiden Knöpfe der NI-Säule betätigt – gelb für einfache Informationen, rot für „SOS“ – bekommt sofort Sprechkontakt zur Leitstelle und wird dort auf einem der Bildschirme gesehen. Die Bilder der Kameras bleiben 72 Stunden verfügbar, um zum Beispiel Vorfälle dokumentieren und aufklären zu können. Eine Speicherung findet nicht statt, nach Ablauf der Frist werden die Bilder überspielt.  

SuS-Zentrale in der Leitstelle

Sie ist Teil der neuen Leitstelle, seit März diesen Jahres ist sie zusammen mit der Betriebsleitstelle und der Betriebsüberwachung – die Mitarbeiter überwachen technische Einrichtungen wie Aufzüge, Rolltreppen oder die Belüftung der Stationen – in der neuen Leitstelle untergebracht. Diese Leitstelle – und mit ihr die SuS-Zentrale – sind 24 Stunden in drei Schichten besetzt und auch regulär über den Anschluß 069 213 22708 erreichbar. Auch so können Fahrgäste um Hilfe bitten. 

SOS-Notruf

Neben der NI-Säule, die Kontakt zur SuS-Zentrale der VGF herstellt, gibt es in den VGF-Stationen auch noch die auffälligen Kästen des SOS-Notrufs. Mit ihm sind Polizei oder Feuerwehr nur einen Knopfdruck entfernt – wortwörtlich, denn 110 oder 112 müssen nicht gewählt werden, ein Knopfdruck reicht, um die Verbindung herzustellen. Hinweisschilder zeigen die Standorte der Geräte an.   

Öffentliche Telefone, die für 110 oder 112 Schnellwahltasten haben, sind eine vom Aussterben bedrohte Spezies. Aber wer geht heute ohne Smartphone aus dem Haus? 

Notbremsen, Fahrerruf, Türentriegelung

Auch bei Notfällen in den Bahnen haben Fahrgäste mehrere Möglichkeiten, zu reagieren, bevor sie sich dabei selbst in Gefahr bringen. Klassisch sind die Notbremsen in allen Waggons. Wenn eine von ihnen gezogen wird, bremst der Zug nicht sofort, sondern stoppt aus Sicherheitsgründen an der nächsten Station. Ein im Tunnel oder auf freier Strecke stehender Zug ist, sollte das notwendig sein, für Rettungskräfte viel schwerer zu erreichen. Auch Fahrgäste, die einen solchen Zug verlassen wollen oder müssen, tun das am besten über einen Bahnsteig und nicht durch einen Tunnel. Zumal in diesem noch Bahnen fahren könnten. 

In unmittelbarer Nähe – meist direkt unter der Notbremse – befindet sich eine Gegensprechanlage, über die Fahrgäste jederzeit Kontakt zum Fahrer aufnehmen und um Hilfe bitten können. Notbremsen und Fahrerruf – acht pro 25-Meter-Einheit – sind in Nähe der Türen angebracht.  

Ebenfalls an allen Türen der Wagen sind Hebel vorhanden, mit denen sie sich entriegeln lassen. Danach können sie von Hand leicht geöffnet werden. 

Video in Fahrzeugen

Auch Fahrzeuge verfügen über Kameras. Die gesamte U-Bahn-Flotte ist damit ausgestattet, ein Großteil der Straßenbahnen, neue Fahrzeuge, so die in diesem Jahr von der VGF georderten 43 „T“-Straßenbahnen und die 22 Mittelteile für die „U5“-Wagen verfügen ab Werk über diese Einrichtungen. Auch hier erfolgt keine Speicherung, das System überspielt die Bilder nach 72 Stunden.  

Feuerlöscheinrichtungen

Feuerlöscheinrichtungen gehören ebenfalls zur Standard-Ausstattung der Stationen: Feuerlöscher und Hydranten. Sie sind in gut gekennzeichnet Schränken untergebracht, die nicht verschlossen und damit jederzeit zugänglich sind. 

Feuerlöscher, ebenfalls gut gekennzeichnet, sind auch in allen Schienenfahrzeugen – U- und Straßenbahnen – vorhanden. 

Rolltreppen-Nothalt

Auf Rolltreppen besteht in der Regel keine große Gefahr, aber Stürze können zum Teil empfindliche Verletzungen nach sich ziehen. An beiden Enden der Rolltreppen, zum Teil auch in der Mitte, angebracht an Wänden, finden sich deshalb Hebel, um die Anlagen zum Stehen zu bringen. Leider sind sie auch bei denen beliebt, die einfach Spaß daran haben, eine Treppe auszuschalten. 

Fazit: Die VGF verfügt in ihren Fahrzeugen und Stationen über zahlreiche Sicherheitseinrichtungen. Einen Vorfall wie an der Ostendstraße können sie nicht immer ausschließen, aber ihre sachgemäße Nutzung kann seine gravierenden Folgen mindern oder – im besten Fall – Schlimmes ganz verhindern. 

 

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