„Unser Ziel ist es, mit Präsenz und gegebenenfalls Einsatz der Bodycams Konfliktsituationen zu deeskalieren. Das ist im Interesse aller Beteiligten“, sagt Geschäftsführerin und Arbeitsdirektorin Kerstin Jerchel. „Die VGF möchte mit dem Einsatz der Bodycams also auch eigenen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihres OD schützen“, so Jerchel weiter.
Hintergrund der Erprobung bei der VGF ist die Zunahme von Aggression durch Fahrgäste besonders gegenüber dem Ordnungsdienst der VGF. Diese äußern sich nicht nur in Beschimpfungen und Beleidigungen, sondern auch in Bedrohungen und Tätlichkeiten, zunehmend sogar mit Waffen und gefährlichen Gegenständen.
Dreistufiger Einsatz
Die Bodycams als Teil der OD-Ausrüstung sind Präventions-, Deeskalations- und Beweismittel in einem. Ihr Einsatz erfolgt anlassbezogen, im Gegensatz zur Funktion festinstallierter Kameras in Fahrzeugen oder Stationen. Sie können als Einsatzmittel unterschiedliche Wirkungen entfalten, die dreistufig aufeinander aufbauen: Im nichtangeschalteten Zustand kann schon die unbewusste Wahrnehmung an der Dienstkleidung zu einem respektvolleren Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des OD führen (Stufe 1). Wird die Kamera aktiviert, kann ihre Spiegel-Funktion dazu beitragen, eine aggressionsgeladene Situation zu beruhigen (Stufe 2). Denn: Die Person gegenüber sieht sich im Display selber und kann ihr eigenes Verhalten beobachten und korrigieren. Verschiedene Studien belegen eine deeskalierende Wirkung der Spiegelfunktion in bis zu 70% der Fälle (u.a. ein Bericht der Polizei von Nordrhein-Westfalen zur Wirkung von Bodycams im Wachdienst von 2019) und die Unterstützung seitens der Fahrgäste für Sicherheitsmaßnahmen im ÖPNV (so der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in seiner Pressemitteilung vom 31. August. Grundlage ist eine präsentative Befragung von Fahrgästen nach ihrer Zufriedenheit mit dem ÖPNV im eigenen Auftrag. 2026 gab es erstmals eine Sonderauswertung zum Thema Sicherheit. Die Befragung der insgesamt 2 213 Kundinnen und Kunden ergab dabei eine hohe Zustimmung zu zentralen Sicherheitsmaßnahmen im ÖPNV: 77 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Videoüberwachung im ÖPNV aus, 74 Prozent befürworten regelmäßige Ticketkontrollen). Mit der Spiegel-Funktion startet eine Voraufnahme. Deren Bilder überschreiben sich alle 60 Sekunden, dienen aber bei weitergehender Aggression und Aktivierung der Speicher-Aufnahme (Stufe 3), um die Entwicklung der Situation zu dokumentieren. Die gespeicherten Videos können zur nachfolgenden Klärung des Sachverhalts und in allfälligen Rechtsverfahren verwendet werden.
Im ersten Schritt werden ca. 30 Mitglieder des OD im Einsatz der Bodycams umfassend geschult. Die Schulung umfasst die Grundlagen des Projekts, die Themen Datenschutz und Recht, natürlich die Handhabung der Bodycams und ihren getimten Einsatz sowie das Zusammenspiel mit anderen Einsatzmitteln, die zur Ausstattung gehören. Insgesamt sind 18 Kameras im Einsatz. Die Kameras sind in Brusthöhe an der Dienstkleidung befestigt, Aufnahmen erfolgen ohne Tonaufzeichnung. Datenschutz-Fragen hat die VGF für die Pilotphase berücksichtigt.
(N-056 Body Cams 1.9.2ß26)