Die VGF wird den „T“-Wagen von 17. August an wieder im Fahrgastbetrieb einsetzen. Das Fahrzeug mit der Nummer 320 wurde seit letztem Sommer umfangreichen Tests unterzogen und erhielt in der vergangenen Woche die Zulassung. Am Donnerstag, 13. August 2026, wurde es im Rahmen einer Pressefahrt nochmals vorgestellt.
„Ich bin sehr froh, dass wir die Modernisierung unserer Fahrzeugflotte jetzt fortsetzen können. Mit den neuen Straßenbahn-Wagen heben wir die Qualität unserer Flotte auf ein moderneres Niveau. Die ‚T‘-Wagen werden das Erscheinungsbild des öffentlichen Verkehrs in Frankfurt schon bald nachhaltig prägen“, sagte Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert. „Vor allem aber sind wir für die Herausforderungen moderner öffentlicher Mobilität in Frankfurt ebenso gerüstet, wie für ihre kontinuierliche Entwicklung.“
Lieferplan und Ersatz älterer Bahnen
Nachdem der gewünschte Auslieferungszustand und die geforderte Qualität zwischen Hersteller Alstom und VGF als Betreiberin abgestimmt sind, wird Alstom die Serienlieferung wieder aufnehmen. Basis für die Übernahme weiterer Fahrzeuge sind die am Wagen 320 umgesetzten Verbesserungen. Im Schnitt kommt dann alle zwei Wochen ein neues Fahrzeug, die gesamte Auslieferung erstreckt sich so voraussichtlich bis 2029. Die Bahnen werden auf dem Tieflader von Barcelona nach Frankfurt gebracht, in der Zentralwerkstatt der VGF erfolgen dann Inbetriebnahme und Betriebsvorbereitung, danach können die Neulinge in den Linien-Einsatz.
„Mit Inbetriebnahme der ‚T‘-Wagen ziehen wir ältere Fahrzeuge der Baureihen ‚P‘ vollständig und ‚R‘ teilweise aus dem Verkehr. Diese Baureihen verfügen über keine Klimaanlagen und sind teilweise nicht barrierefrei. Für unsere Fahrgäste sind die neuen Bahnen damit eine sofortige, nachhaltige und spürbare Verbesserung“, so VGF-Geschäftsführer Steffen Geers.
Entwicklung länger als geplant
Die Entwicklung des „T“-Wagens bis zur Einsatzreife hat eine längere Vorgeschichte. Einen ersten Wagen der neuen Baureihe hatte die VGF im Dezember 2022 vorgestellt, doch die bis November 2024 gelieferten 14 Fahrzeuge erfüllten nicht die vertraglichen Anforderungen und mussten deshalb – nach Rücklieferung im Frühjahr 2025 – durch den Hersteller Alstom nachgebessert werden. Das betraf eine Reihe technischer Funktionen, die im Fahrbetrieb zu wiederholten Fahrzeugstörungen führten, z.B. bei den Türen, bei Fahrzeugsoftware und der Bedienung durch das Fahrpersonal. „Die Fahrgäste erwartet jetzt ein zuverlässiger und top moderner Straßenbahnwagen – mit 56 Sitz- und 135 Stehplätzen, großen Fenstern, vollständig klimatisiert, außerdem 100 % niederflurig und damit barrierefrei“, fasst Steffen Geers die Entwicklung der neuen Bahnen zusammen.
Kurz- und Langversion
Die VGF hatte 2017 die Beschaffung von zunächst 38 Niederflurwagen ausgeschrieben, den Auftrag im Lauf der Jahre aber schrittweise erweitert, um künftigen Anforderungen – Angebotserweiterungen in Form neuer Linien oder engerer Taktfolgen – gerecht zu werden.
Alstom wird insgesamt 58 „T“-Wagen liefern, 24 davon in einer 31,5 Meter langen Standardvariante mit 191 Steh- und Sitzplätzen, 34 als 40 Meter lange Züge mit 248 Steh- und Sitzplätzen. Die Fahrzeuge bestehen in der Kurzversion aus drei, in der Langversion aus vier Teilen. Sie haben vier bzw. fünf Drehgestelle, wovon zwei bzw. drei angetrieben sind. Für Antrieb sorgen „Permanent erregte Synchron-Motoren“, die sich durch eine hohe Energieeffizienz und kleine Bauart auszeichnen. Sie sind außen an den Achsen der Triebdrehgestelle montiert, was wiederum die Instandhaltung vereinfacht.
Modernes Design
Mit Auslieferung der „T“-Wagen schlägt die VGF ein neues Straßenbahn-Kapitel auf – auch was das Erscheinungsbild der Fahrzeuge betrifft. Äußerlich waren die in den vergangenen Jahrzehnten beschafften Bahnen – wie fast überall in Deutschland –vom pragmatischen Dreiklang „rechteckig, praktisch, gut“ geprägt. Das neue Design, zu dem auch ein sogenannter Einzug unter der Fensterleiste gehört, der dem Fahrzeug einen leicht rautenförmigen Querschnitt gibt und es elegant wirken lässt, wird die Modernität des Systems Straßenbahn ebenso zum Ausdruck bringen, wie den internationalen Charakter der Stadt Frankfurt.
Neues und Bekanntes für Fahrgäste
Die Fahrzeuge, die technisch auf der Alstom-Serie „Citadis SX05“ basieren, erfüllen die neusten Standards, sie bieten darüber hinaus aber auch im Frankfurter Straßenbahn-Betrieb neue Elemente. Während Video-Ausrüstung und Klimatisierung im Innenraum schon seit Jahren weitgehend zum Frankfurter Standard gehören, sind die neuen Fahrzeuge zu hundert Prozent niederflurig, was durch eine Spezialkonstruktion der Achsen möglich wird. Damit sind sowohl Zu- und Ausstieg als auch der Innenraum barrierefrei.
Obwohl das Fahrzeug mit 2,40 Meter eine für die Frankfurter Straßenbahn normale Breite hat, macht der Innenraum einen geräumigen und übersichtlichen Eindruck. Das bewirken die Faltenbalge zwischen den Fahrzeugteilen, die eine große lichte Weite haben und dadurch einen breiten Durchgang ermöglichen. Große Panoramafenster bieten Fahrgästen nicht nur eine gute Aussicht, sondern sorgen gemeinsam mit einer LED-Beleuchtung im Fahrzeuginnern für angenehme Lichtverhältnisse. Erstmals nutzt die VGF eine Ambiente-Beleuchtung, wobei die ausgeprägte Farbenfröhlichkeit nicht übertrieben wurde. Der Licht-Ton im Fahrgastinnenraum wird abhängig von der Außentemperatur geregelt, was zum Wohlbefinden der Fahrgäste beitragen soll.
Großzügige Mehrzweckflächen gewähren Fahrgästen mit Rollstühlen, Kinderwagen und Fahrrädern ausreichend Platz. Eine vierte Tür pro Seite – im längeren „T40“-Model sind es fünf – dient dem schnelleren Fahrgastwechsel. An drei Türen pro Seite sind sowohl bei der kurzen als auch der langen Version manuell ausklappbare Rampen angebracht. Wie schon beim „S“-Wagen verzichtet die VGF auf anfällige elektrisch ausfahrbare Rampen.
Die Straßenbahnen verfügen des Weiteren über ein neues Fahrgastinformationssystem mit zweiteiligen Monitoren. Außerdem sind 16 USB-Ladestationen im Inneren angebracht, beim „T40“ sind es 18.
Moderner Arbeitsplatz
Auch das Fahrpersonal der VGF darf sich auf ein neues Fahrzeug mit einem neuen Arbeitsplatz freuen. Die Sitzposition ist in der Fahrerkabine zentral angeordnet und bietet durch die große Frontscheibe eine gute Rundumsicht. Bei den Sitzen hat die VGF auf das bewährte und in anderen Frankfurter Fahrzeugen genutzte Modell zurückgegriffen. Neu sind die Kameras, die die Außenspiegel ersetzen. Mit ihrer Hilfe lässt sich das Fahrzeug von der Kabine aus z.B. beim Fahrgastwechsel an Haltestellen auf ganzer Länge auf zwei Monitoren überblicken.
Vor sich haben die Fahrerinnen und Fahrer ein Display für Statusanzeigen und Fehlermeldungen. Befehle können sie per Touchscreen eingeben. Hier zeigt sich die „Alstom-DNA“ als Hersteller von „großen“ Eisenbahnzügen. Die VGF hat aber auf einen vollständigen Übergang zum Touchscreen verzichtet, Basisfunktionen wie Türöffnung und -Freigabe erfolgen nach wie vor per Taster. Der Wechsel zur neuen Bedienung sollte nicht zu krass ausfallen, da in der VGF-Flotte ältere Fahrzeuge verbleiben, auf die Fahrerinnen und Fahrer problemlos, während ihrer Schichten wechseln werden.
Neu sind eine platzsparende Schiebetür zwischen Fahrerkabine und Fahrgast-Innenraum – nicht so „anfällig“, falls Fahrgäste hier Gepäck oder Taschen abstellen sollten – und die Anordnung der Sitze hinter der Kabine.
Die „T“-Wagen verfügen serienmäßig über das Fahrerassistenzsystem, das die Firma Bosch gemeinsam mit der VGF für den „R“-Wagen entwickelt hat und das dem Fahrpersonal hilft, Hindernisse besser zu erkennen und Unfälle zu vermeiden.
40 Meter-Straßenbahnen
Als vorausschauend erwies sich, dass die VGF von Anfang an die Nachrüstung der Fahrzeuge mit einem Verlängerungsmodul mitgeplant hat. So wird die VGF 34 der 58 neuen Wagen als 40 Meter-Version beschaffen.
Die hierfür notwendigen Module sind jeweils 8,5 Meter lang, verfügen über ein angetriebenes Drehgestell, je eine zusätzliche Tür pro Seite und erhöhen die Kapazität der „T40“-Wagen auf die genannten 248 Plätze. Auch eine Verlängerung schon bestellter Kurz-Fahrzeuge war möglich, weil die VGF die Voraussetzungen für den Einbau von Mittelteilen bei der Ausschreibung der „T“-Wagen geschaffen hatte. Diese Weitsicht zahlt sich jetzt aus, weil die VGF flexibel war, die Kapazität der Fahrzeuge in der laufenden Bestellung der steigenden Nachfrage auf Grund des absehbaren Fahrgastwachstums anzupassen, statt eine Neuausschreibung zu lancieren.
Anpassung der Infrastruktur
Die zuerst zur Auslieferung kommenden „T30“-Fahrzeuge kann die VGF sofort und auf allen Linien einsetzen. Die längeren „T40“-Wagen sieht die VGF zunächst auf der stark frequentierten Straßenbahnlinie 11 vor. An der Haltestelle „Ostbahnhof / Sonnemannallee“ stehen hierzu noch Anpassungen der Fußgängerfurt und der Ampelanlage aus.
Alstom-Straßenbahnen: Made in Europe
Mit dem „T“-Wagen beschafft die VGF Fahrzeuge bei einem der weltweit führenden Schienenfahrzeug-Hersteller. Alstom steht für die Renaissance der Straßenbahn und hat rund um den Globus viele Fahrzeugflotten auf die Schiene gebracht. Städte wie Paris, Reims, Lyon, Strasbourg, Bordeaux, Barcelona, Rabat, Tunis, Istanbul, Sydney oder Jerusalem vertrauen auf Straßenbahnen aus dem Hause Alstom. Ein Markenzeichen des Unternehmens ist das auf die jeweiligen Städte abgestimmte Fahrzeugdesign. Das wird von Montag an auch in Frankfurt wieder im Linieneinsatz zu sehen sein.
(N-052 „T“-Wagen 13.8.2026)